Fühlt man sich müde und energielos über einen längeren Zeitraum und ist man ständig krank, so handelt es sich um ein Problem des Immunsystems, eine fehlregulierte Immunantwort, die sich bereits lange vor den eigentlichen Symptomen  aufgebaut hat.

 

Ursachen
Die erste Ursache kann ein nicht ausgeheilter Infekt sein, der immer wieder aufflammt und das Immunsystem auf Dauer schwächt, die Reizschwelle für weitere Infekte wird immer niedriger.
Die zweite Ursache kann eine ständige Überbelastung des Körpers sein, der ohne ausreichende Ruhephasen immer weiter unter Druck arbeitet. Durch den Dauerstress wird das körpereigene Hormon Cortison freigesetzt, der ständig hohe Cortisonspiegel im Blut unterdrückt die Reaktionen des Immunsystems, verhindert das Krankwerden und sorgt für ein mangelndes Körpergefühl. Wird eine längere Ruhephase eingelegt (z.B. Urlaub), so sinkt der Cortisonspiegel, das Immunsystem wird plötzlich wieder gefordert und bricht unter der Überlastung zusammen.
Die dritte Ursache kann eine dauerhafte Missachtung von Krankheitsanzeichen sein, da der eigene Wille den Körper zum Weitermachen drängt. Das Immunsystem hat keine Zeit den Infekt zu bekämpfen, da der Körper durch den starken Willen beeinflusst wird. Eine nicht ausreichend behandelte Krankheit wandert im Körper umher und geht dann in die Tiefe.
Eine vierte Ursache kann das chronische Erschöpfungssyndrom sein (auch CFS – chronic fatigue-syndrome genannt), das durch eine Infektion mit COVID-19 entstanden ist. Post-Covid nennt man die Symptomatik, die nach der Infektion länger als 3 Monate besteht. 
Eine fünfte Ursache können körperliche und seelische Traumata sein, die auf der psychischen Ebene wirken und das Immunsystem negativ beeinflussen.
Allen diesen Ursachen liegt eine gemeinsame Symptomatik zugrunde.

 

Symptome
Erschöpfung und Atemnot nach geringer Belastung (z.B. direkt nach dem Aufstehen, Treppensteigen) verbunden mit einem dauerhaft schnellen Herzschlag, bei Bewegung schlägt das Herz übertrieben schnell. Es kann gelegentlich auch ein trockener Reizhusten auftreten.
Schlafstörungen und innere Unruhe, ein „Kribbeln“ läuft durch den ganzen Körper.
Geistige Einschränkungen wie: „Nebel im Gehirn“ (brain fog) und Konzentrationsstörungen, oft auch Depressionen.
Durchblutungsstörungen, die Haut wirkt blass und die Adern treten wie marmoriert hervor.
Gewichtsverlust, hormonelle Störungen, vor allem in der Perimenopause und in der Menopause. Die Symptomatik der Menopause wie z.B. Hitzewallungen, trockener Hals, Herzrasen, Panikgefühl, Druck auf den Brüsten und Atemnot wird durch chronische Infekte verschlechtert.
Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Kopfschmerzen und ein allgemeines Unwohlsein.
Generelle Störung des Immunsystems wie: Müdigkeit, Lymphknotenschwellung, Fieber, Halsschmerzen, Frösteln, Schwitzen.

 

Phasen der Erkrankung

1. Reizphase
Durch eine bereits bestehende Vorbelastung des Körpers beginnen die Symptome an der Oberfläche. Eine Temperaturregelungsstörung des Körpers tritt auf, man fröstelt und schwitzt zugleich. Durch den Einfluss des Windes fängt man an zu Niesen und die Augen tränen. Dieser Zustand hält Tage an, oder kann in einigen Minuten durchlaufen werden.

2. Schwellphase
Die Schleimhäute im Körper schwellen an und die Durchblutung wird angeregt, da die körpereigene Abwehr aus dem Blut in die Schleimhäute gelangen muss. Als Folge der Schwellung tritt eine Schwere der Glieder auf, man fühlt sich schlapp, der Druck auf den Kopf erhöht sich und man leidet unter Appetitlosigkeit oder auch Übelkeit. In dieser Phase kann die Oberfläche nicht geöffnet werden, um die Hitze auszuleiten, der Saunabesuch oder die Schwitzpackung im Bett helfen nicht mehr. Diese Phase dauert etwa 10 Tage. Hat der Körper bereits Vorerkrankungen, sogenannte „Engstellen“, so wandert die Entzündung weiter. Beispiel: eine Nasennebenhöhlenentzündung wandert in den Kiefer.

3. Ausscheidungsphase
Die Schleimhäute in Nase, Augen, Darm und Lunge sondern Flüssigkeit und Schleim ab, um den Infekt auszuspülen (Nase läuft, Augen tränen, Durchfall und Husten mit Schleimabsonderung).

4. Differenzierungsphase
Hier findet die Heilung statt, Zellen und Gewebe regenerieren sich. Jetzt ist es ganz wichtig, sich auszuruhen, denn sonst besteht die Gefahr eines Rückfalls oder der Verschleppung des Infektes.
Wenn das Immunsystem zu früh aufhört, gegen den Infekt zu kämpfen, so kann es ihn am Ende nicht besiegen und die Reizschwelle für eine Neuinfektion wird geringer, es entstehen immer wieder neue Infekte. Beispiel: ständige Blasenentzündung.

 

Behandlung durch die TCM
Das Ziel der Behandlung durch die TCM ist, das geschwächte Immunsystem zu stärken, indem man es unter Druck setzt, so dass Heilung erzwungen wird. In der Reizphase ist die Behandlung am einfachsten, da durch Akupunktur und Schröpfen Kreislauf und Stoffwechsel angeregt werden, die Durchblutung verbessert wird, Wärme erzeugt wird und durch Feuchtigkeitsableitende Kräuter die Ausleitung der Krankheitserreger an die Oberfläche erfolgt. 
Die Schwellphase ist schwieriger zu behandeln, da der Infekt bereits von der Oberfläche weg in die Tiefe gewandert ist. Ziel der Behandlung durch die TCM hier ist, eine Eskalation zu vermeiden und den Körper in Ruhe zu bringen. Das Immunsystem wird durch kühlende Kräuter beruhigt und die Schmerzen durch entzündungshemmende Kräuter gelindert. Durch Akupunktur wird das Immunsystem angeregt und durch Schröpfen überschüssige Hitze von innen nach außen ausgeleitet. Der Körper wird wieder in die Reizphase versetzt, die Infektion von innen an die Oberfläche zurückgebracht, damit sie abgeschlossen werden kann. Schwierigkeiten entstehen, wenn die Oberfläche fehlt, z.B. bei häufigem Gebrauch von Nasenspray, das die Oberfläche zerstört, oder durch eine Operation, durch die Teile der Oberfläche entfernt wurden. Kann der Körper die Infektion erfolgreich abschließen verschwindet auch die Erschöpfung. Die Immunantwort lernt durch die Therapie. Es versteht sich von selbst, dass der Patient dabei mitwirkt, indem er sich mehr Ruhephasen gönnt und auch auf Rückschläge in der Therapie vorbereitet sein muss.